1517-1703 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH
1517 veröffentlichte Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen, mit denen er sich gegen Mißstände in der Kirche richtete. Der erste Schritt zur Reformation war getan. Zunächst berührten die neuen Ideen die Menschen in der Umgebung des Klosters Rot kaum. Aber bereits 1523 predigte in der Memminger Martinskirche Christoph Schappeler, der zusammen mit Sebastian Lotzer maßgeblich an der Verfassung der "12 Artikel" beteiligt war, in denen die schwäbischen Bauern ihre Forderungen an die Obrigkeit richteten. Durch die Kanzelreden des Memminger Predigers wurden die Roter Untertanen mit dessen weitgehenden sozialen Forderungen bekannt. Da sie trotz des Vertrags von 1456 mit der Behandlung durch das Kloster unzufrieden waren, richteten sie Mitte Februar 1525 eine Beschwerde an die Obrigkeit, in der sie sich auszugsweise auf die "12 Artikel der Schwäbischen Bauern" bezogen. Im März wurde der Abt gezwungen, an die Bauernhaufen, die sich auch um Rot gebildet hatten, 300 Gulden zur Abwendung der Plünderung zu bezahlen. Wenige Wochen später jedoch wurde das Kloster durch den "Baltringer Haufen" geplündert. Nun sandte der Schwäbische Bund, dem Rot seit 1488 angehörte, seine Truppen zu Hilfe. Die Bauern wurden durch das gut geschulte Heer, das vom "Bauernjörg" (Truchseß Georg von Waldburg) befehligt wurde, vernichtend geschlagen. Der Legende nach sollen viele Roter Untertanen zu dieser Bauernrotte gehört haben.
1618 begann der 30- jährige Krieg. Wenn auch konkrete Hinweise darauf fehlen, was den Haslachern in dieser Zeit widerfuhr, so ist doch sicher anzunehmen, daß auch hier Not und Elend herrschten, zumal sowohl die Schweden als auch die Kaiserlichen das nahegelegene Memmingen abwechslungsweise besetzten. Zeitgenössische Chronisten berichten, daß die Menschen nicht nur Frösche, Hunde und Katzen verspeisten, sondern mancherorts sogar die Verstorbenen gegessen wurden. "Es war kein Unterschied mehr zwischen Freund und Feind, beide waren mehr Plünderer als Soldaten, ohne Treue, Zucht oder Achtung." Auf dem Feld mußten die Menschen selbst den Pflug ziehen, weil Zugtiere fehlten. Dazu wütete die Pest und raffte die Menschen dahin, sodaß manche Dörfer fast vollständig ausstarben. Ein Ende fand dieser schreckliche Krieg am 24. Oktober 1648. Dörfer waren verwüstet und die Städte verarmt. Es dauerte noch Jahre bis die Menschen wieder zu einem geordneten Zusammenleben finden konnten. Dies zeigte sich auch in Haslach, denn erst 25 Jahre nach Kriegsende wurde hier ein neuer Taufstein gesetzt und wieder Gottesdienst gefeiert. Allmählich gewöhnten sich die Bauern auch wieder daran, ihre Höfe umzutreiben, und sie machten sich Gedanken darüber, wie sie diese besser bewirtschaften könnten. Bald zogen viele hinaus aus dem Dorf, um ihre Höfe in der freien Landschaft inmitten ihrer Felder zu errichten. Von 1757 – dem Haslacher Vereinödungsjahr an – bis 1840 entstanden so rund um Haslach 14 Einödhöfe.
Nach Aufzeichnungen des Roter Subpriors, Pater Sigismund Schäffer, soll sich am 3. Mai 1703 in der Haslacher Mühle etwas Wundersames ereignet haben: Als sich die Familie des Müllers beim Abendessen über den einbrechenden Feind ängstigte, wollte der Vater den Kindern die Furcht nehmen und sagte: "Der Franzose kommt nicht." Daraufhin hat sich "das hülzerne Bild (Muttergottes im Hergottswinkel) fünf Male geneigt, als bejahete dieses, was anfangs geredet worden." Die Anwesenden "fingen vor Verwunderung an aufzuschreien und erbleichten vor Schrecken über allemassen". Die "nickende Madonna" wurde bald danach in feierlicher Prozession in die Kirche getragen und zur Verehrung aufgestellt. In der Folgezeit pilgerte das gläubige Volk aus der Umgebung hierher zum wundertätigen Gnadenbild, und Haslach war für viele Jahre ein kleiner Wallfahrtsort.
HASLACH
ÖFFNUNGSZEITEN:
Dienstag 10.00 - 12.00 Uhr
Mittwoch 15.30 – 18.30 Uhr
Freitag 09.00 – 12.00 Uhr