1711-1799 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH
Als Folge der Wallfahrten fand in den Jahren 1711/12 eine große Erneuerung der Kirche statt. Auf Wunsch der Bevölkerung wurde sie nach Art der Haidgauer Kapelle barockisiert. Auch der zahlreiche Sakramentsempfang, der in der Gottesdienstordnung von 1763 eigens hervorgehoben wird, ist wohl auf die Wallfahrtsgottesdienste zurückzuführen.
1789 war der "Sturm auf die Bastille" der Auslöser der französischen Revolution, deren Grundideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit die Welt verändern sollten. Die Folgen des Umsturzes bekam der Süden Deutschlands und auch unsere Gegend in Form der Napoleonischen Kriege zu spüren. Lassen wir an dieser Stelle Pfarrer Höge zu Wort kommen, der den Augenzeugenbericht des Mesmers Hiz folgendermaßen niederschrieb: "Das Jahr 1796 ist eines der merkwürdigsten und folgenreichsten in der Geschichte Haslachs. Am 9. August diesen Jahres kamen um 8 Uhr morgens 1100 Franzosen nach Haaßlach, zerbrachen die Haustüre beim Mesmer mit Gewalt, wie auch die Stiegentür, gingen sogleich dem Pfarrzimmer zu, ruinierten mit Musketen und Bajonettstößen, was sie antrafen. Sie vermuteten Geld oder Geldwertes, da sie aber nichts fanden, liefen sie der Kammer des Mesmers zu, worin sich dieser, Josef Hiz, seine Frau Anna in gesegneten Umständen, mit ihren Töchtern Theresia und Franziska eingesperrt hatten. Da nun die größte Gewalt zur Erbrechung der Kammertür angewandt wurde, öffnete Hiz die Türe und bat die Wilden nur um Schonung ihres Lebens. Hier raubten sie dem Mesmer alles - erbrachen dann den Kirchenkasten, nahmen einen silbernen und vergoldeten Kelch heraus, zerrissen ihn in der Mitte und tranken hernach aus dem geraubten und profanierten (entweihten) Kelche das beim Mesner vorbeifließende Bachwasser unter dem zügellosesten Hohngelächter. Im selben Jahr kehrten die Franzosen aus Bayern zurück und schlugen am 19. September beim alten Schlosse in Marstetten ihr Lager auf. Schon am 20. und 21, kamen sie haufenweise ins Dorf und auf die Einöden, wo sie drei Tage lang mit der unerhörtesten Gewalttätigkeit plünderten. Der 22. September war der schrecklichste Tag. Es war das Kirchweihfest zu Haaßlach. Um 8 Uhr (der Gottesdienst sollte gerade gehalten werden) fing durch die Franzosen die abscheulichste Entheiligung des Tempels an. Es kam eine ganze Rotte dieser Räuber, wog die große Kirchentür mit Stangen auf und schlugen gleichzeitig mit einer Axt ein Stück von der Sakristeitür, drangen daraufhin mit der gottlosesten Frechheit zum Hochaltar hin, wo sie mit Bajonettstößen das Tabernakeltürle aufsprengen wollten. Da dies nicht gelang, wogen sie die Leiste des Tabernakeltürleins mit einer Axt auf, rissen das geschnitzte Muttergottesbild herunter, raubten das Ciborium samt den geweihten Hostien, welche sie bis zur Kirchentüre herum streuten. Diverse andere Kirchengeräte, Reliquiare und Gewänder wurden die Beute ihrer raubgierigen Hände. Diese Kirchenplünderung dauerte von 8 Uhr bis halb 10. Zwischen 11 und 12 Uhr ging Josef Hiz mit noch 2 Personen in die Kirche hinauf und sahen mit Schrecken die zerschlagenen Kirchentüren an, sowie die schaudererweckende Profanierung der Hostien. Mit einem Messer hob Hiz diese auf, legte sie auf ein reines Tuch und steckte es voller Angst und Schrecken hinter den Beichtstuhl am Hochaltar. Noch am nämlichen Tage ließ man diese schaudervolle Kirchenprofanation den damaligen Prior in Roth, Ignaz Rohrer wissen, der den Küchenmeister P. Robert Merk (als Jäger verkleidet) zusammen mit Carl Rapp, Schreinermeister, Xaver Huit, Gärtner und Herr Magister Bahl nach Haaßlach schickte, welche die Hostien nachts gegen 1/2 eins in die Klosterkirche nach Rot brachten, wo ich (Pfarrer Höge) selbst Augenzeuge war, da um Mitternacht die Messe gelesen wurde."
Drei Jahre später hatte Haslach erneut unter dem Krieg zwischen Frankreich und Österreich zu leiden. Pfarrer Höge vermerkt hierzu: "...der zweite Krieg verursachte noch weit größeren Schaden als der erste; denn in diesem Krieg mußte beständig bald an die Österreicher, bald an die Franzosen geliefert werden. Die Schanzarbeiten in Ulm und Memmingen waren sehr kostspielig...Nach Angaben des Schultheiß Fakler betrugen die Kosten 15.473 Gulden 2 Kreuzer".
HASLACH
ÖFFNUNGSZEITEN:
Dienstag 10.00 - 12.00 Uhr
Mittwoch 15.30 – 18.30 Uhr
Freitag 09.00 – 12.00 Uhr