1803-1810 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH

Im Jahr 1803 wurde Deutschland territorial neu eingeteilt. Die geistlichen Stände wurden aufgehoben und die weltlichen Fürsten erhielten die säkularisierten Klosterbesitzungen als Entschädigung für verlorenes linksrheinisches Gebiet, das jetzt zu Frankreich gehörte. So erhielt am 3. März 1803 Graf Wartenberg das Stift Rot und damit auch Haslach. Am 26. Dezember 1805 endete der dritte Koalitionskrieg. Die Kurfürsten von Württemberg und Bayern wurden von Napoleon zum Dank für militärische Hilfe zu Königen erhoben und reich belohnt. 1806 wurde Oberschwaben dem Königreich Württemberg zugeteilt. Am 9. Oktober 1807 mußten die weltlichen und geistlichen Herren und "das gemeine Volk" in Rot dem neuen König huldigen, der durch Baron von Bühler vertreten war. Drei Tage später wurden drei Haslacher von einer königlichen Kommission zum Militär ausgehoben. Durch Würfellos wurden Georg Fakler, Michael Mönig und Klemens Henkel zum Dienst im königlich württembergischen Heer bestimmt.


Von einem sehr ungewöhnlichen Kriminalfall aus dem Jahr 1810 berichtet Pfarrer Höge: "Am 9. Juni nämlichen Jahres, am Vorabend des Pfingstfestes, nachmittags zwischen drei und vier Uhr kamen Innozenz Hasenmaile von Hattenburg und Veronika Riedle von Haaßlach zu mir und erbaten Eheschließung. Veronika hatte ihre Schwester, Monika, zur Zeugin; Innozenz noch keinen. Also wies ich ihn an, er solle sich gleich einen suchen. Die halbe Stunde seiner Abwesenheit nutzte ich, um Veronika ins Gewissen zu reden. Da mir zu Ohren gekommen war, daß Vater und Schwager sie durch derbe Schläge zur Heirat gezwungen hätten. Diese Vorhaltung löste Tränen aus, was die Vermutung zu bestätigen schien. Veronika widersprach jedoch und behauptete, daß sie nicht wegen der Hochzeit, sondern wegen einiger ersparter Gulden geprügelt worden sei. Als Innozenz samt Zeugen eintraf, sagte Pfarrer Höge zu ihr: "Veronika, geh lieber jetzt aus meinem Zimmer und diene noch einige Jahre, ich selbst will dir um einen Dienst umsehen, wenn du keinen weisst. Besser als gezwungen heiraten." Innozenz sagte hierauf, "er wolle und könne sie nicht zum heiraten zwingen, es müsse ihr freier Wille sein". Vor offizieller Verlobung befragte er nochmals beide, ob es der freie Wille sei - und laut und deutlich wurde mit "Ja" geantwortet. Am Tag der heiligen Dreifaltigkeit wurde die Hochzeit feierlich gehalten. Wenige Tage vor der Hochzeit hatte sich Veronika beim Haslacher "Chirurg" Willebold Pöppel mit Gift versorgt - vorgeblich wegen der Mäuseplage im Haus. Diese begründete sie glaubhaft mit einem zerfressenen Halstuch und dem Appell ".. es ist doch eine Schande solche Gäste zu haben. Was soll denn mein Mann denken?" Da gegen diese Argumente seitens des Chirurgen nichts einzuwenden war, gab er ihr eine geringe Portion Gift. Bereits einen Tag nach der Hochzeit gab sie ihrem Gemahl in einer Suppe eine Portion Gift. An diesem "Mahl" zeigte Innozenz wenig Appetit, woraufhin seine Schwiegermutter den Rest auslöffelte und sogleich Schwierigkeiten hatte. Die von Peppel verordnete Diät und die Arzneien waren fruchtlos. Darauf keimte der Verdacht auf Giftmischerei, den er dem Pfarrer nach dem Sonntagsgottesdienst mitteilte. Da Veronika um den Besuch des Pfarrers bat, nahm dieser den "Chirurg" mit, welcher Innozenz daraufhin befragte. Die Symptome schienen den Verdacht zu erhärten und die Anzeige beim Oberamt Ochsenhausen folgte. Das Gift wurde gefunden und Veronika nach Ochsenhausen abgeholt, wo sie in ihrem ersten Verhör gestand. Seitens des Oberamtes mußte vom Pfarrer ein Führungszeugnis für die erst 18 Jahre alte Angeklagte ausgestellt werden. Trotz des jugendlichen Alters und der unklaren Motive mußte Veronika im September in Ludwigsburg eine achtjährige Strafe antreten, die trotz Bittschriften (eingegeben vom Hasenmaile und dem Vater) nicht abgekürzt wurde. Innozenz genas vollständig und die Ehe wurde annulliert. Über das weitere Schicksal Veronikas ist nichts bekannt." 

Im wilden Süden

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