1812-1853 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH
Aus dem Jahre 1812 stammt folgende Eintragung: "Am 1. April starb Elisabeth Ehrmann, im siebten Monat schwanger, wegen "langwieriger Auszehrung und Entkräftung" im Alter von 33 Jahren. Wenige Tage später (am 4.) traf ihren Witwer, Alois Würfel, der nächste Schicksalsschlag. Er fand seinen Knecht Benedikt Ängstler, einen "Pursch" von 21 Jahren aus Obermittelried, erhängt in seinem Zimmer auf. Bei der am 6. April vorgenommenen Sektion fand sich eine große Menge Würmer bedeutender Größe in Magen und Därmen. Es liegt nahe, daß ihn dies zu einem solchen Schritt verleitet hat. Die Eingeweide wurden auf dem Friedhof vom Polizeidiener begraben, der Leib nach Tübingen zur medizinischen Fakultät transportiert."
1813 ließ Graf Wartenberg, der seit 1803 das Kirchenpatronat in Haslach ausübte, ein neues Pfarrhaus erbauen. Am 30. November war "der feyerliche Einzug in das neuerrichtete Pfarrhaus zu Haslach. Der feyerliche Zug ging unter türkischer Musik in die Kirche, wo ein Te Deum (Großer Gott) abgesungen wurde und dann der Schluß im Pfarrhaus mit einem fröhlichen Trunke gemacht wurde". Jetzt konnte Pfarrer Höge einziehen. Das Haus diente bis 1989 als Pfarrhaus.
Eine äußerst schlechte Witterung erbrachte 1817 eine schwere Mißernte. Getreide- und Lebensmittelpreise stiegen unermeßlich und damit auch die Armut bei der Bevölkerung. In allen Gemeinden sollten auf allerhöchsten Befehl hin Wohltätigkeitsvereine zur Unterstützung der Ärmsten gegründet werden. Dies stieß bei den Haslachern auf Ablehnung. Die Gemeindearmen sollten an einem Tag in der Woche von Tür zu Tür betteln gehen. Für die Armen war dies doppelt beschwerlich; zum einen waren sie der Willkür ihrer Mitbürger ausgeliefert, und zum anderen konnten sie nicht in Nachbargemeinden "anklopfen". Dort kümmerten sich nämlich die Wohltätigkeitsvereine um die Ärmsten, Fremde aber wurden unter Hinweis auf die Einrichtungen in ihren Heimatgemeinden weggeschickt. In Anspielung auf die Getreidepreise hörte man immer wieder die Frage: "Wo ist ein Hund, der große Taler scheißt?"
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Haslach eine Schule. Als erstes Schul- und Rathaus diente ein 1830 angekauftes Bauernhaus. 1834 wurde dann dafür ein neues Gebäude erstellt. Es ist das heutige Rathaus. Bis 1964 wurden hier in einem bescheidenen Klassenzimmer die ABC-Schützen unterrichtet. Im Obergeschoß ist heute noch die Ortsverwaltung untergebracht.
In der Chronik des Jahres 1853 findet sich ein Eintrag, der im Hinblick auf das Jubiläum des Musikvereins besonders interessant ist: "In diesem Jahr wurden von der Gemeinde Musikinstrumente für 153 Gulden 23 Kreuzer gekauft, worauf sich das Oberamt beschwerte. Haslach hielt entgegen, daß es eine "ordentliche Musik" wolle und der Herr Lehrer ein Musikfreund sei. Die Kosten der Anschaffung wurden auf die Steuern umgelegt, und der Lehrer erhielt 15 Gulden Entschädigung, muß aber etwas ordentliches leisten und spielen." Wenn die offizielle Vereinsgründung auch erst Jahrzehnte später erfolgte, so bestand doch offensichtlich damals in Haslach schon eine Musikkapelle.
HASLACH
ÖFFNUNGSZEITEN:
Dienstag 10.00 - 12.00 Uhr
Mittwoch 15.30 – 18.30 Uhr
Freitag 09.00 – 12.00 Uhr