1900-1914 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH

Das zwanzigste Jahrhundert schrieb die ersten Zeilen der Ortschronik mit Blut. Am 25. Januar 1900 erstach Andreas Maier, Söldnerssohn (Söldner= Kleinbauer), seinen Vater nach einem kurzen Wortwechsel und einer Rauferei. Für diese Tat wurde er zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Die zweite Bluttat geschah beim Gasthaus zur Sonne, wo der dreiundzwanzigjährige Matthäus Lauber von Kunenberg vom zwei Jahre älteren Käser Josef Buschelmaier aus Feurenmoos erstochen wurde. Buschelmaier erhielt zweieinhalb Jahre Gefängnis. "Wäre die Polizeistunde eingehalten worden," schreibt der Chronist, "so wäre diese Tat ungeschehen geblieben". Der Mutter des Getöteten verdanken wir die heute noch im Glockenhaus unserer Pfarrkirche aufgestellte Pieta.


Die nächsten Jahre ergeben zusammengerafft folgendes Bild:

1901 wurde eine neue Kirchenuhr angeschafft, die 1906 schon wieder ersetzt werden mußte, während die alte ihren Dienst 200 Jahre lang getan hatte. 1902 brannte der Hof zur alten Waldegg ab. Drei Jahre später schaffte Haslach drei Glocken für ein neues Geläut an. Die erste Wasserleitung wurde 1906 eingerichtet. Am 8. Februar 1910 ertrank Polizeidiener Keck nach einer Hochzeit im hochangeschwollenen Dorfbach. Im März und April 1914 wurde in Haslach die "electrische Kraft" eingerichtet; in Betrieb genommen wurde sie jedoch erst am 22. September 1915.


Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Gemahlin am 28. Juni 1914 war der Auslöser für den ersten Weltkrieg. Am Samstag, den 1. August folgte die Mobilmachung. Am nächsten Tag feierte man das Haslacher Kirchenpatrozinium. Angst und Trauer kennzeichneten die Stimmung der Kirchenbesucher. Die Leute ahnten Schlimmes, denn noch am selben Tag wurden die ersten jungen Männer zum Kriegsdienst einberufen. Die anfänglichen Siegesnachrichten lösten bei manchen Nationalstolz und vaterländische Begeisterung aus; bald aber versetzten die ersten Todesnachrichten von der Front das Dorf in tiefe Trauer. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr schwanden die Siegeshoffnungen. Nicht nur die Lebensmittel wurden knapp, sondern es fehlte an allem, sowohl an der Front wie in der Heimat. 1917 "wanderten" ein großer Teil der Orgelpfeifen und zwei Glocken in den Krieg. Der Mangel zeigte sich auch im normalen Alltag. Von Allerheiligen 1917 bis zum Frühjahr 1918 mußte die "kleine Schule" wegen Mangel an Heizmaterial geschlossen bleiben. Nur ein Schulzimmer konnte geheizt werden. So wurden vormittags die älteren Schüler unterrichtet und nachmittags die ABC-Schützen. Zwei weitere Anekdoten aus Jahre 1918 zeugen von Mangel und Not: "Weil fast keine Tuch- und Lederschuhe zu bekommen sind, läuft alles in Holzschuhen umher. Wenn die Kinder in die Kirche kommen, glaubt man, eine Kompagnie Soldaten marschiere ein", schreibt der Pfarrer. Am 17. Februar wurde bei der Familie Zollikofer im Weiher ein vier Zentner schweres Schwein gestohlen und im nahen Wäldchen geschlachtet und zerlegt. Die Stücke wurden in Rupfensäcke verpackt, auf den Mistwagen geladen und mit Dung zugedeckt. Die Täter wurden bekannt, das Fleisch aber kam "seines Aromas wegen" wohl nicht mehr auf den Tisch. Im November mußte der Kaiser abdanken, und Deutschland wurde Republik. Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet. Der erste Weltkrieg war zu Ende. Die Leute atmeten auf, aber der Krieg hatte eine traurige Bilanz hinterlassen. Allein Deutschland hatte annähernd zwei Millionen Opfer zu beklagen. Unsere kleine Gemeinde trauerte um 29 Kriegstote.

Eine unangenehme Bescherung bereitete den Haslachern ein gewaltiges Hochwasser zwei Tage vor Weihnachten. In der Hauptstraße stand das Wasser einen halben Meter hoch, und in vielen Häusern drang es durch die vordere Türe ein und floß durch die hintere wieder hinaus.

Eine Woche später ereignete sich folgende tragikomische Geschichte, die manchen zum Schmunzeln bringen könnte: "Wegen großer Kälte (-25 Grad) stellte Walburga Zettler eine Brikettglut zu ihrer Ziege in den kleinen Holzstadel neben ihrem Haus. Diese entzündete die dort gelagerten Heu- und Holzvorräte, sodaß nur einige Balken übrig blieben. Die Geiß wurde gerettet". 

Im wilden Süden

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