1945 · DIE GESCHICHTE VON HASLACH

1945 häuften sich die Kriegshandlungen in unserer Nähe. Täglich erschienen Flugzeuge über dem Dorf. Im Wald zwischen Tannheim und Haslach wurden unzählige Benzin- und Ölfässer gelagert. Tausende deutscher Soldaten zogen auf dem Rückmarsch durch unser Gebiet, und sogar Parteifunkionäre aus der Umgebung von Stuttgart waren auf ihrer Flucht kurzfristig zu Gast in Haslach. Lassen wir an dieser Stelle den Chronisten berichten: "Die Parteioberen flohen mit Weib und Kind zu uns, so daß das Dorf mit "Braunen" ganz überfüllt war. Drei Kreisleiter waren hier und deren Stellvertreter; mit Omnibus kam man bis von Ludwigsburg angefahren. Selbst Kultusminister Mergenthaler - dieser "Katholikenfresser"- flüchtete nach hier, übernachtete in der "Sonne", floh zu Fuß weiter und ließ seinen herrlichen "Mecedeswagen" hier stehen zur Freude der alsbald einziehenden Franzosen. O, diese Feigheit der oberen und unteren Parteiführer, die ständig schrien und schrieben: "Aushalten, kämpfen bis zum letzten Mann. Jedes Haus, jede Brücke, jeder Busch muß verteidigt werden; alle suchten nur ihre Haut zu retten."


Unter diesen Eindrücken legten die Haslacher am 22. April folgendes Gelübde ab: "Wenn das Dorf vor größerem Kriegsschaden bewahrt bleibt, so wird die Gemeinde 25 Jahre lang jedes Jahr das Schutzmantelbild durch das Dorf in feierlicher Weise tragen, singend und betend." Fast alle Familien beteiligten sich an dem Gelübde, und diese Tradition hat sich bis zum heutigen Tag erhalten. Alljährlich an Mariä Himmelfahrt findet die Dankprozession statt.


Die letzten Kriegstage versetzten die Menschen fast täglich in Angst und Schrecken:

Montag, 23. April: Eine Gruppe Soldaten mit Pferden und Wagen näherte sich von Rot her unserem Dorf. Am Ortseingang stießen Tiefflieger so auf die Kolonne herunter, daß die Pferde scheuten und davonrannten. Es fiel aber kein Schuß. Das verwunderte selbst den Hauptmann der Truppe, und er rief unwillkürlich aus: "Das ist ein Wunder, daß die uns nicht zusammengeschossen haben".


Dienstag, 24. April: Feindliche Flugzeuge griffen bei Kunenberg drei Lastwagen an. Die Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Der holländische Fahrer Josef Stormanns und der neunjährige Bub Franz Welte kamen ums Leben. Christian Loritz, der das Haslacher Milchauto steuerte, wurde ebenfalls getroffen und verlor dabei die rechte Hand. Der Bickel’sche Hof brannte ab.


Donnerstag, 26. April: Schon morgens um acht Uhr war das ganze Dorf überfüllt mit Soldaten und Militärfahrzeugen. Als Flugzeuge zu hören waren, befürchtete man die Zerstörung des Dorfes, aber die Flieger drehten in Richtung Mooshausen ab und schossen dort wahllos in die Gegend.


Freitag, 27. April: Gegen 19.30 Uhr traf eine schwerbewaffnete SS-Einheit in Haslach ein, um das Dorf zu verteidigen. Trotz heftiger Proteste der Einwohner stellte sie sich am östlichen Abhang des Dorfes auf, um die feindlichen Panzer zu erwarten, die von Rot her gemeldet waren. Ohne ersichtlichen Grund drehten die Panzer bei der St. Johannkirche ab und fuhren nach Tannheim. Die SS rückte daraufhin ab und floh durch die Wälder nach Süden.


Samstag, 28. April: Um 13.15 Uhr trafen amerikanische und französische Soldaten ein und besetzten das Dorf. Dabei gab es keinerlei Zwischenfälle. Es wurde weder geplündert, noch wurde jemand mißhandelt. Radios und Fotoapparate mußten jedoch auf dem Rathaus abgeliefert werden. Die Rundfunkgeräte wurden aber wieder zurückgegeben, da die hier beschäftigten Kriegsgefangenen den Besatzern erzählten, sie seien von den Haslachern sehr gut behandelt worden.


Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte beendete am 9. Mai den Krieg, nicht aber die Not und das Leid, das er den Menschen gebracht hatte. Die Gemeinde hatte 41 Gefallene und 16 Vermißte zu beklagen. Viele waren noch in Kriegsgefangenschaft. Als letzter kehrte Bernhard Egenter, der langjährige Dirigent der Haslacher Musikkapelle, 1949 aus Rußland heim. Die Franzosen lösten den Gemeinderat auf, setzten den Bürgermeister ab und bestimmten Karl Uhl am 25. Juli 1945 zu seinem Nachfolger. Dieser wurde bei den Wahlen in den folgenden Jahren immer wieder bestätigt und war Bürgermeister, so lange Haslach selbständige Gemeinde war. Es herrschte Mangel an allem. Nahrungsmittel, Kleider und Schuhe wurden weiterhin nur auf "Marken" und "Bezugsscheine" zugeteilt. Einem Erwachsenen standen pro Monat 250 g Fett, 350 g Fleisch und 3000 g Brot zu. Zucker gab es über Monate hinweg nur dann und wann für Kinder. Viele Kinder konnten im Winter die Schule nicht besuchen, weil sie keine Schuhe hatten. 

Im wilden Süden

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HASLACH

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88430 Haslach

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