Die Geschichte von Haslach

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1946 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt; Haslach gehörte zur französischen, Memmingen zu amerikanischen Zone. Die Iller war Zonengrenze. Alle Brücken waren zerstört und der Handel zwischen den Zonen verboten. Eine Reise nach Memmingen war lebensgefährlich, und nur denen möglich, die es wagten, die Iller zu durchwaten.

Die Franzosen hatten es abgelehnt, Flüchtlinge in ihrer Besatzungszone aufzunehmen, daher kamen erst 1947 die ersten Heimatvertriebenen zu uns. Sie wurden den Familien zugeteilt. Da in Haslach der Wohnraum knapp war, beschloß man, Notwohnungen für diese Menschen zu bauen. Nahezu hundert Hausbesitzer schlossen sich zum "Siedlungsbauverein Haslach" zusammen, um das Vorhaben zu verwirklichen. Maurermeister Georg Fakler erstellte einen Plan, und Pfarrer Traub übernahm die Bauleitung. Ohne die Erteilung der Baugenehmigung wurde mit der Arbeit begonnen, obwohl Baumaterialien nur beschränkt zu kaufen waren. Die Mitglieder des Siedlungsbauvereins leisteten viele freiwillige Arbeitsstunden und spendeten Bauholz und anderes Material. Im Herbst 1949 konnten die ersten Heimatvertriebenen einziehen. Etwa 80 Personen fanden in den acht Zwei- und ebensovielen Dreizimmerwohnungen Unterkunft.

Die Jahre 1948 und 1950 sind vielen älteren Mitbürgern sicher noch in unangenehmer Erinnerung. Haslach wurde von einer schlimmen Engerlingsplage heimgesucht. Sämtliche Wiesen und Äcker waren kahlgefressen, und das Dorf wurde zum Notstandsgebiet erklärt. Da kaum Ackerfrüchte und Heu geerntet werden konnten, waren die Haslacher auf die Hilfe der Nachbargemeinden angewiesen. Die Not wird durch eine Zeitungsmeldung verdeutlicht: "Auf einem Haslacher Acker wurden neben fünf Zentnern Kartoffeln vier Zentner Engerlinge geerntet." Auf die Engerlingsplage folgte naturgemäß zwei Jahre später die Maikäferplage. Augenzeugen berichteten, daß an vielen Bäumen große braune Klumpen hingen, und kaum noch grüne Blätter zu erkennen waren. Die Maikäfer wurden mit Pestiziden bekämpft. Der Erfolg zeigte sich in Form "einer 3 cm dicken Schicht auf der Straße, sodaß man auf dieser hätte Schlitten fahren können."

1949 konnten vier neue Glocken angeschafft und von Dekan Willburger geweiht werden. Die Glockenweihe war ein Festtag für die ganze Pfarrgemeinde.

1950 wurde das Haslacher Ortsbild entscheidend verändert. Auf Betreiben von Bürgermeister Uhl wurde der Dorfbach aus seinem ursprünglichen Bett in den Mühlenkanal umgeleitet. Vorher floß die Haslach dort, wo jetzt die Hauptstraße verläuft und das jetzige Bachbett war der Mühlenkanal. Die Hochwassergefahr wurde durch diese Maßnahme zwar verringert, bestand aber weiter bis zum Bau des Stausees im Rappenbachtal. Als 1951 die Bachkorrektur und die Kanalisierung abgeschlossen waren, wurde die Kirche im Innern umgestaltet. Der neue Hochaltar und die geschnitzte Kommunionbank prägten den Chorraum bis zur gründlichen Erneuerung der Kirche im Jahre 1991.
1954 wurde das alte Kriegerdenkmal durch die heute noch stehende Schutzmantelmadonna ersetzt. Am 19. April weihte Pfarrer Traub das neue Denkmal. An diesem Tag wurde die Kriegerkameradschaft zu neuem Leben erweckt, da die Alliierten nach Kriegsende die alten Vereine aufgelöst hatten.

Am 1. August dieses Jahres konnte Prälat Max Müller Primiz feiern. Die ganze Gemeinde und viele auswärtige Gäste versammelten sich zu seiner ersten Meßfeier in unserer Kirche.

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